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Nach
dem Grand Prix von Brasilien in Interlagos sprach Kimi Räikkönen
in der FIA Pressekonferenz über seinen sechsten Saisonsieg und
seinen phänomenalen Triumph in der Formel 1 Weltmeisterschaft.
Frage:
Kimi, es ist noch gar nicht lange her, da hast du gesagt, dass die
Weltmeisterschaft gelaufen ist. Fast wie durch ein Wunder hat es
heute doch geklappt...
Kimi:
Ich kann mich nicht daran erinnern, das gesagt zu haben.
Vielleicht hat das jemand anderes gesagt, aber es stimmt, wir
waren manchmal in der Saison nicht in der besten Position. Dennoch
haben wir immer daran geglaubt, dass wir es schaffen können, denn
wir können einen besseren Job machen als die anderen. In
schwierigen Zeiten rücken wir zusammen - wir haben nie
aufgegeben. Das war wichtig, denn am Ende konnten wir unseren
großen Rückstand reduzieren und Weltmeister werden, nicht nur
bei den Konstrukteuren, sondern auch bei den Fahrern. Ich muss
mich beim Team bedanken - sie haben nicht nur heute, sondern schon
das ganze Jahr einen großartigen Job gemacht. Wir hatten einige
Probleme, aber wir haben hart daran gearbeitet, diese zu beheben,
und das Teamwork hat immer gepasst. Felipe war auch sehr
hilfreich. Wir hatten das ganze Jahr einen harten Fight mit ihm,
aber dann konnte er leider ein paar Mal nicht punkten und er war
nicht mehr im WM-Rennen, also unterstützte er uns. Und die
Sponsoren waren auch ein großer Bonus für uns. Das Team steht
sich sehr nahe, hat toll gearbeitet, das Benzin verbessert und uns
mit dem neuen Reglement geholfen. Den heutigen Tag können wir
genießen, vielleicht den ganzen nächsten Monat. Ich bin sehr
glücklich.
Frage:
Es war ein sauberes Rennen von dir. Du warst hinter Felipe Massa,
hast Lewis Hamilton in der ersten Kurve überholt und übernahmst
dann beim zweiten Boxenstopp die Führung.
Kimi:
Ich hatte einen sehr guten Start und lag Seite an Seite mit
Felipe, aber wir wollten gegeneinander nicht zu hart fahren.
Hauptsache war, an Hamilton vorbeizukommen. Ich sah dann im
Rückspiegel, als er neben die Strecke fuhr, und da dämmerte mir,
dass ich eine Chance haben könnte. Unsere beiden Autos waren sehr
schnell. Wir gingen es locker an, schonten die Reifen und die
Autos. Wenn wir gewollt hätten, hätten wir viel schneller fahren
können. Es war perfektes Teamwork, das sich sehr gut bezahlt
gemacht hat. Ich meine damit nicht nur dieses Rennen, sondern das
ganze Jahr, und dafür bedanke ich mich.
Frage:
Du wirst 'Iceman' genannt, aber in der Schlussphase hat dir das
Team sicher gesagt, dass du bei diesem Zieleinlauf Weltmeister
wärst. Was ist dir da durch den Kopf gegangen?
Kimi:
Nicht wirklich viel. Ich war mir nicht hundertprozentig sicher,
weil uns nicht klar war, ob vor Lewis noch jemand an die Box
kommen würde. Er wurde Siebenter, aber selbst als ich über die
Ziellinie fuhr, mussten die Jungs vor ihm auch ins Ziel kommen,
daher wartete ich ab. Es dauerte ziemlich lange, bis mir gesagt
wurde, dass wir gewonnen haben. Es ist erstaunlich. Nach dem Auf
und Ab der letzten Rennen, in denen wir selbst bei schwierigen
Bedingungen gute Punkte geholt haben, war das ein gutes Ende der
Saison. Gute Arbeit von allen! Ich bin sehr glücklich, es war ein
erstaunlicher Tag.
Frage:
Es war dein 15. Grand-Prix-Sieg. Vielleicht kannst du ein bisschen
über deine bisherige Karriere sprechen, deine Anfänge in
Finnland, die Stolpersteine auf dem Weg und darüber, was dir der
WM-Titel bedeutet...
Kimi:
Es ist schwierig, das in Worte zu fassen, aber Finnland war nicht
der beste Ausgangspunkt für eine Rennfahrerkarriere. Ich hatte
nichts, aber meine Familie hat viel investiert, unsere Freunde,
Cousins und alle Sponsoren. Das hat mir sehr geholfen, aber das
ist lange her. Ich hatte immer tolle Leute hinter mir, tolle
Manager, die mir dazu verholfen haben, zur rechten Zeit am rechten
Ort zu sein. Ich war schon ein paar Mal nahe an der
Weltmeisterschaft dran, aber es hat noch nie gepasst. Dieses Jahr
sah es schon so aus, als würde uns der Titel wieder entgleiten,
aber wir haben ein großartiges Team. Wir haben an uns geglaubt
und es hat funktioniert. Niemand hatte uns noch auf der Rechnung,
aber wir wussten, dass wir noch eine Chance haben, also bedanke
ich mich beim Team. Ich liebe das Team, habe hier eine so tolle
Zeit - die Formel 1 macht mir viel mehr Spaß als im Vorjahr.
Meine Erinnerungen an dieses Jahr sind schöner als an jedes
andere Jahr, und dafür möchte ich mich bei allen bedanken, die
eine Rolle gespielt haben. Natürlich gab es schwierige Zeiten in
meiner Karriere, aber das geht jedem so. Das habe ich mir immer
gewünscht - alles, was jetzt noch kommt, ist nur noch eine
Draufgabe. Wir werden es nächstes Jahr wieder versuchen. Es wird
schwierig, aber schauen wir mal, was sich machen lässt.
Frage:
Hättest du dir das am Saisonbeginn oder auch heute Morgen
überhaupt erträumt?
Kimi:
Der Saisonbeginn war ja gut. Wir haben die Saison so beendet, wie
wir sie angefangen haben, aber es gab natürlich auch schwierige
Zeiten mit Zuverlässigkeitsproblemen, durch die wir ziemlich
viele Punkte verloren haben. An einem gewissen Punkt haben die
Leute gesagt, dass wir nicht mehr in der Weltmeisterschaft sind,
aber wir haben sie eines Besseren belehrt. Wir haben
zurückgeschlagen und waren am Ende ganz stark. Tolles Teamwork
von allen Beteiligten, von Felipe und dem Team. Es war eine
großartige Saison.
Frage:
Mit welchem Gefühl kamst du heute Morgen an der Strecke an?
Kimi:
Es war wie jedes andere Rennen für mich. Einige Leute haben
gesagt, dass ich sicher gewinnen würde, aber ich nahm sie nicht
ernst. Es mussten heute einige Dinge für uns laufen, aber
passiert ist alles in der ersten Runde. Wir legten einen guten
Start hin und bestimmte Dinge liefen in unsere Richtung. Dann
hatten wir ein gutes Auto, wir konnten genau die gewünschte Pace
fahren, mussten den Doppelsieg sicherstellen - der Rest war nicht
in unserer Hand.
Frage:
Es war wohl sehr wichtig, Lewis Hamilton am Start zu überholen,
nicht wahr?
Kimi:
Das stimmt. Ich habe damit gerechnet, ihn zu überholen. Wir haben
seit dem dritten oder vierten Rennen ein sehr gutes Startsystem.
Ich wäre fast in Führung gegangen, aber wir wollten zwischen mir
und Felipe kein Risiko eingehen, also war es mal wichtig, vor
Lewis zu sein. Das hat funktioniert - und dann gaben wir nur noch
unser Bestes.
Frage:
Die Pace der Ferraris war heute phänomenal.
Kimi:
Ja, aber wenn wir gewollt hätten, hätten wir noch eine Sekunde
schneller fahren können, also war die Pace die ganze Zeit da. Das
Auto war großartig, die Reifen funktionierten sehr gut, obwohl es
einige Fragezeichen bezüglich ihrer Haltbarkeit gab. Aber alles
lief wunderbar.
Frage:
Als Felipe Massa zum zweiten Mal an die Box kam, hattest du noch
ein paar schnelle Extrarunden, durch die du an ihm vorbeikamst.
Kimi:
Natürlich, ja, das war entscheidend, aber wie gesagt, wir hatten
das geplant und wussten als Team, was wir tun würden. Wir hatten
das so geplant und wir fuhren kein direktes Rennen gegeneinander.
Ein großes Dankeschön ans Team, auch an Felipe. Genau das haben
wir gebraucht - und wir haben es uns geholt.
Frage:
Was hast du am Boxenfunk nach der Zieldurchfahrt geschrieen?
Kimi:
Ich habe nicht geschrieen, sondern mich beim Team bedankt und
gewartet, ob es reicht oder nicht. Es war ein schönes Gefühl. In
all den Jahren war ich zweimal nahe dran, aber es ist nie
passiert. Dieses Jahr sah es wieder danach aus, aber wir haben
zurückgeschlagen und es geschafft. Natürlich weiß ich, dass das
für Lewis hart sein muss, denn er hat das ganze Jahr darauf
hingearbeitet und dann doch verloren. Das ist kein schönes
Gefühl. Es kann auch lange dauern, bis man wieder eine Chance
bekommt. Das weiß man nie. Man versucht es zu schaffen, wenn man
die Chance hat, und das ist uns dieses Jahr gelungen. Es war
knapp, aber so sollte es ja sein. Wir haben gewonnen.
Frage:
Um einen Punkt...
Kimi:
Ja. Vor ein paar Jahren habe ich um zwei Punkte verloren. Zum
Glück war das Glück diesmal auf unserer Seite, aber es war ein
tolles Jahr für alle. Natürlich wurde viel über die Situation
zwischen Teams und Fahrern gesprochen, aber ich finde, das hat
alles nur noch aufregender gemacht. Manchmal ist so etwas gut für
den Sport, dann macht es noch mehr Spaß.
Frage:
Würde es dich freuen, wenn nun auch Marcus Grönholm noch
Rallye-Weltmeister werden sollte?
Kimi:
Das wäre gut für ihn und Finnland, ja, aber das ändert nichts
in meinem Leben. Ich würde mich mit ihm freuen, aber es wird
schwierig. Aber jetzt genieße ich einmal meinen eigenen Sieg als
Weltmeister - warten wir ab, was woanders passiert. Das
interessiert mich im Moment nicht.
Frage:
Wie hat dich das Team über die Positionen von Fernando Alonso und
Lewis Hamilton auf dem Laufenden gehalten und wie sehr hattest du
selbst die Punktesituation im Kopf?
Kimi:
Ich habe in der ersten Runde Lewis' Ausritt gesehen und wie
Fernando an ihm vorbeiging, und in der vierten Kurve war er wie
gesagt weg. Da wusste ich, dass er seine Chancen auf ein Podium
reduziert hatte, und das Team sagte mir auch, dass er ein Problem
hatte. Da wurde mir klar, dass unsere Chance ganz gut sein
könnte. Natürlich wusste ich, was hinter mir los war, aber ich
konzentrierte mich auf mein eigenes Rennen, auf den Doppelsieg.
Der Rest lag nicht an uns, sondern an den Umständen. Das hat
unseren Tag geprägt.
Frage:
Findest du, dass dieses Resultat nach der Spionageaffäre ein Sieg
der Gerechtigkeit ist?
Kimi:
Ich denke schon, ja. Es ist eine komplizierte Situation. Ich
denke, es ist jetzt entschieden, wir sollten das hinter uns lassen
und nicht mehr darüber reden. Das ist eine andere Geschichte
abseits des Rennsports, keine schöne Sache. Leider war das dieses
Jahr ein großes Thema. Hoffen wir, dass so etwas nicht mehr
vorkommen wird.
Frage:
Wie fühlst du dich als Weltmeister? Wirst du heute Abend Samba
tanzen?
Kimi:
Ich weiß nicht, ob ich tanzen werde - dafür fehlt mir die
Kondition (lacht)! Schauen wir mal, was wir heute machen, aber wir
werden sicher eine Party feiern - nicht nur heute, sondern die
ganze nächste Woche. Ich habe mich nach dem Rennen großartig
gefühlt, aber es war eine lange Saison und es wird noch ein
bisschen dauern, bis ich realisiere, dass wir es nach all diesen
Jahren endlich geschafft haben. Es schien so weit weg, Weltmeister
zu werden, daher ist es auch noch nicht eingesunken, aber wir sind
zurückgekommen und haben gewonnen. Kaum zu glauben, was passiert
ist. Ich fühle mich großartig, aber es wird noch ein bisschen
dauern, bis sich das Gefühl wirklich einstellt.
Frage:
Du giltst als Fahrer mit viel Pech, aber heute hattest du das
Glück auf deiner Seite, nicht wahr?
Kimi:
Ich weiß nicht. Ich habe nie gesagt, dass ich viel Pech habe. Ich
glaube nicht an Glück und Pech - es liegt an harter Arbeit.
Manchmal macht man etwas falsch und manchmal hat man Probleme,
aber heute brauchten wir Hilfe von den anderen. Das hat
funktioniert. Viele Rennen in diesem Jahr waren schwierig, als wir
geführt haben und ausgeschieden sind. Heute hat alles gepasst und
es hat funktioniert. Ich weiß nicht, ob das Glück ist, aber ich
nehme es so hin. Es war gut, das ist die Hauptsache.
Frage:
Du bist in deinem ersten Jahr mit Ferrari Weltmeister geworden,
das ist bisher nur Juan Manuel Fangio gelungen. Wie fühlst du
dich im Vergleich zu so einem großen Champion? Und wie ist es,
McLaren-Mercedes geschlagen zu haben, das Team, für das du auch
selbst gefahren bist?
Kimi:
Ich genieße wie gesagt jeden Moment mit dem Team. Die Formel 1
macht mir aus vielen Gründen mehr Spaß als bisher - nicht nur
wegen des Fahrens, sondern aus anderen Gründen. Und ich bin sehr
glücklich, die Weltmeisterschaft für Ferrari gewonnen zu haben,
noch dazu im ersten Jahr, in dem wir so viele Schwierigkeiten zu
bewältigen hatten. Es ist eine große Familie mit tollen Leuten.
Ich gewinne lieber für dieses Team als für jedes andere!
Frage:
Wie wirst du mit den erhöhten Medienanfragen umgehen, die dir als
Botschafter der Formel 1 bevorstehen?
Kimi:
Natürlich werden wir mehr Termine haben, aber das wird mein Leben
nicht verändern. Die Leute werden mich vielleicht anders ansehen
und mehr Storys über mich schreiben, aber ich werde mich nicht
verändern. Ich habe mich noch nie verändert und ich weiß nicht,
was die Zukunft bringen wird. Ich werde besser darauf achten, was
ich tue. Schauen wir mal. Vielleicht sollte man diese Frage
Fernando stellen, denn er weiß, wie das ist, er kann sagen, ob er
sich verändert hat. Ich mache mir deswegen keine Gedanken, werde
mein Leben so weiterführen, wie ich will. Mehr gibt es dazu nicht
zu sagen.
Frage:
War das heute der beste deiner sechs Saisonsiege?
Kimi:
Sehr schwer zu sagen, welcher der beste war, aber es war sicher
der wichtigste. Wir haben mit diesem Doppelsieg die
Weltmeisterschaft gewonnen. Okay, jedes Rennen, jeder Sieg ist
wichtig, aber dieser Sieg hat schlussendlich die Entscheidung
gebracht, daher war es der beste, würde ich sagen. Man kann Siege
nicht vergleichen, aber dieser Sieg ist befreiender, denn wir
haben damit die Weltmeisterschaft gewonnen und nicht nur ein
einzelnes Rennen.
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